Buchhaltung in einer Bank des 2. Jahrhunderts vor Christus

P.Köln inv. 20863


Die Papyrussammlungen in Heidelberg, Köln und Wien besitzen umfangreiche Reste zweier Geschäftsbücher einer Bank aus dem Herakleopolites (Mittelägypten), die in die zweite Hälfte des 2. Jahrhunderts v. Chr. zu datieren sind.

Diese sind aus Mumienkartonage gewonnen. Die Reste der beiden Rollen sind etwa zwei und knapp fünf Meter lang. Ursprünglich müssen die Rollen viel länger gewesen sein. Die Geschäftsbücher stammen offenbar aus einer staatlichen Bank, bei der Funktionäre des Staates, aber auch Privatleute ein Konto hatten. Aus diesen Papyri ergibt sich zum ersten Mal ein genaues Bild der Buchhaltung und Arbeitsweise einer antiken Bank.

Unter anderem kann man anhand dieser Papyri feststellen, wie Eintragungen mit den Ein- und Auszahlungen eines Tages jeweils mit einer Tagesbilanz schließen. Die Bank akzeptierte Geld ptolemäischer Währung in Bronze, Silber und Gold. Wie in der Antike üblich, stehen Silber- und Goldgeld zum Bronzegeld in keinem festen Wertverhältnis. Die Rechnungen basieren auf der Bronzewährung. Bei Einzahlungen und Auszahlungen wird für Silber- und Goldgeld je nach Kunde ein individueller Wert festgesetzt. Man spricht von An- und Verkauf des Edelmetallgeldes durch die Bank. Der Einkaufspreis liegt unter dem Verkaufspreis. Da die Bronzewährung Rechenwährung ist, müssen bei Errechnung des Tagessaldos An- und Verkäufe von Edelmetallgeld aus der auf Bronzegeld lautenden Bilanz herausgerechnet werden, um den Kassenstand kontrollieren zu können.