Der Kölner Mani-Kodex

P. Köln inv. 4780


Der Kölner Mani-Kodex enthält die Lebensgeschichte Manis, der im 3. Jahrhundert nach Christus die Weltreligion des Manichäismus gegründet hat. Zeugnisse dieser Religion sind spärlich. Der Kölner Mani-Kodex ist die einzige erhaltene Schrift der Manichäer in griechischer Sprache und ist das kleinste aus der Antike erhaltene Buch. Es wurde im 5. Jahrhundert in Ägypten aus Pergament hergestellt. Jede Seite mißt nur 3,5 x 4,5 cm und trägt 23 Zeilen in einer schönen Schrift.

Auf den ersten Seiten des Kodex begegnen wir dem noch kleinen Mani, der mit seinem Vater in einer Täufersekte im Zweistromland lebt. Schon hier ereignen sich merkwürdige Dinge, in denen sich die Grundzüge der späteren manichäischen Religion ankündigen. Bäume, deren Äste man abschlagen will, sprechen zu Mani, Gemüse, das geerntet wird, jammert. Nach Manis Religion lebt in jedem organischen Stoff oder Wesen die lebendige Seele als ein Teil das Lichtreichs, das in der Materie gefangen ist. Diese lebendige Seele darf der Mensch nicht verletzen, oder er versündigt sich. Aufgabe des Menschen ist es vielmehr, durch Achtung der lebendigen Seele in jedem Wesen eine Rückkehr aller Seelenteile ins Reich des Lichts zu ermöglichen.

Mani schuf eine Zweiklassenreligion, in der die "Erwählten" sich jeder landwirtschaftlichen oder sonstigen praktischen Arbeit fernhielten und nur beteten und sangen. Die "Hörer" ernährten diese obere Klasse von Manichäern. Sie konnten, obwohl sie sich versündigten, in einem späteren Leben (Mani lehrte auch die Seelenwanderung) darauf hoffen, ein "Erwählter" zu werden.

Mani sah sich selbst als den "Lichtapostel", der die Welt auf die richtige Bahn brachte, um Licht und Materie endgültig zu trennen. Als seine Vorgänger bezeichnete er Zoroaster, Buddha, Jesus und den Apostel Paulus

Der Manichäismus war der schärfste Konkurrent für das frühe Christentum. Rund um das Mittelmeer folgten Menschen Manis Lehre. Der Heilige Augustinus war 8 Jahre lang ein Manichäer. Als die Christen von der römischen Obrigkeit akzeptiert wurden (312/313), verfolgte man von nun an die Manichäer hart. Manis Religion zog sich entlang der Seidenstraße bis in den Norden Chinas zurück. Bis ins 16. Jh. soll es in China Manichäer gegeben haben.